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Hannover Concerts
 
Wallis Bird
8. Oktober 2019
Pavillon

Landstreicher Booking GmbH präsentiert: 

WALLIS BIRD

NEW MOON TOUR

Support: FLOATINGHOME
Dienstag, 8. Oktober 2019 | Pavillon Hannover
Einlass: 19:00 | Beginn: 20:00 Uhr
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Wallis Bird
New Moon Tour 2019

Am Anfang ist die Wut. Was im Falle von Wallis Birds neuem Album durchaus wörtlich gemeint ist. Denn „WOMAN“ ist zwar eine erhebende, erhabene, ergreifende Platte voller Liebe, Seele und Empathie – aber bis dahin war es ein weiter Weg und ein stetiger Kampf, den die irische Songwriterin erst für sich entscheiden musste. „In den letzten Jahren wurde ich, wurden wir alle, permanent mit schrecklichen Nachrichten befeuert“, erzählt Wallis. „Überall Ungerechtigkeit, Konflikte, die wieder aufbrechen, Rechte, die immer lauter pöbeln und ein Maß an Umweltverschmutzung und fehlendem Respekt vor unserem Planeten, der mich schwindelig und wütend macht. Ich musste mich einfach damit auseinandersetzen. Wenn ich mich schon auf die Bühne stelle und etwas singe, dann sollte es etwas sein, das sich dieser Probleme bewusst ist und vielleicht sogar etwas anbietet, das uns weiterhilft. Und bei mir ist das eben der Fokus auf Empathie, Hoffnung und die Kraft der Liebe.“ Genau das musikalisch zu vermitteln, entbehrt nicht einer gewissen Fallhöhe, derer sich auch Wallis auf charmante Weise bewusst ist. Wenn sie über die Gefühle, die „WOMAN“ durchziehen, spricht, lacht sie oft laut auf, schüttelt den Kopf und sagt: „Oh Gott, ich klinge wie eine Hippie-Braut!“ Dass sie das aber eben nicht tut, sondern wie eine Kämpferin klingt, ist ihrer Stimme und ihrem Gitarrenspiel ebenso zu verdanken wie ihrer Hinwendung zum Soul, die vor allem in Stücken wie „Love Respect Peace“, „Woman Oh Woman“ und „Grace“ ihre volle Kraft entfaltet. „Soul-Musik war immer schon ein Vehikel für Liebe und dem Wunsch nach Veränderung. Donny Hathaway, Reverend Al Green oder Roberta Flack haben in schweren Zeiten Musik geschaffen, die im Herzen positiv war, die sagte: ‚Ja, vieles ist Mist, aber lasst uns das ändern!‘ Ich bin mit diesen Liedern aufgewachsen und habe sie in letzter Zeit für mich wiederentdeckt. Weil sie mir Kraft gaben, wenn mich die Nachrichten mal wieder traurig und aggressiv gemacht haben.“ Es war diese Erkenntnis, die Wallis mit in den sehr introvertierten Arbeitsprozess nahm. Wie so oft spielte sie fast alle Instrumente selbst ein, zog sich mit ihrem Vertrauten – dem Produzenten Marcus Wuest, der schon die letzten fünf Alben begleitete – ins Studio zurück. War ihr Vorgängeralbum „Home“ bisweilen geradezu schmerzhaft intim, suchte sie nun nach einem Sound, der die Leute in Bewegung versetzen kann. „Denn es ist eine Zeit der Bewegungen. Wenn man sich von dem negativen Blick löst, sieht man, dass jede unerfreuliche Entwicklung, viele bunte, diverse leidenschaftliche Movements hervorbringt, die sich dem entgegenstellen.“

Es kommt nicht von ungefähr, dass Wallis Bird gerade jetzt diese erstaunliche Wucht entwickelt. Denn sie tut es aus einer starken Position heraus, an einem Punkt ihrer Karriere, der von Zusammenhalt und Liebe im Privaten wie im Beruflichen geprägt ist. Nachdem die ersten zwei Alben noch auf einem großen Label erschienen, ist sie seit dem Dritten in Eigenregie unterwegs und erspielte sich ihr Standing auch und vor allem durch mittlerweile über 800 Shows in neun Jahren – auf Touren, die sie durch Australien, Neuseeland, Japan, Kanada, USA und natürlich Europa führten. Und wer Wallis einmal live erlebt hat, ihr Charisma spürt, ihre kraftvolle Stimme hört, ihr sehr eigenes Gitarrenspiel sieht, bei dem sie eine Rechtshändergitarre linksherum spielt – der wird definitiv wieder hingehen. Überhaupt: die Sache mit der Gitarre! Die Geschichte ist so dramatisch, das man sie immer wieder erzählen kann: Als Kind legte Wallis sich nämlich mit einem Rasenmäher an, verlor erst alle Finger der linken Hand, von denen vier wieder angenäht werden konnten. Ihre Liebe zum Gitarrenspiel, die auch aus ihrer Kindheit stammt, fachte das jedoch eher noch an – und so schaffte sie sich eben als Linkshänderin, diesen ganz eigenen Stil an. Mittlerweile kann Wallis auch Künstler, von U2 bis zu Amanda Palmer (eines ihrer besten Konzerterlebnisse in letzter Zeit sei es gewesen, Wallis Bird auf dem Woodford Folk Festival zu sehen: „She was fucking destroying it!“), zu ihren Fans zählen. Und dann sind da noch all die Preise und Nominierungen in den letzten Jahren: 2-fache Gewinnerin des irischen Meteor Award (nationaler irischer Musikpreis), 2x nominiert für den Choice Music Price (irisches Equivalent zum Mercury Prize), Deutschen Musikautorenpreis der GEMA in der Kategorie Rock/Pop gewonnen und dieses Jahr beim renommierten amerikanischen „International Folk Music Award“ in der Kategorie „Artist Of The Year“ nominiert. Und wer nun angefixt ist: Im Herbst ist Wallis in Europa auf Tour.

Vielleicht ist es auch dieses Wissen, das ihr den Mut gab, ein solch starkes Album schlicht und schön „WOMAN“ zu nennen. Was natürlich ein Statement ist in diesen Zeiten. „Dieses Wort tauchte einfach immer wieder auf“, erzählt Wallis, „und provozierte Frauen und Männer aus meinem Umfeld ebenso.“ Genau diese Reaktion sei für sie dann entscheidend gewesen, „weil ich trotzdem fühlte, dass genau jetzt der richtige Moment dafür ist. Es fühlt sich normal an. Und es ist fair und richtig zu sagen, dass feminine Kraft auf dem Vormarsch ist. Weil das längst überfällig ist. Wir müssen endlich einsehen, dass wir gleich verschieden sind. Wir sind Ying und Yang. Es gibt soviel, was eine Frau kann, ein Mann aber nicht. Und umgekehrt.“ Deshalb sei dieses Album nicht in Opposition zu sehen: „Es ist kein Album gegen Männer, es ist ein Album, das den matriarchalen Vibe in der Gesellschaft feiert, das einladen soll, Geschlechtergrenzen aufzulösen und zu verwischen.“ Interessant ist auch das kleinere „M“ im Titel, das nicht etwa ein Glitch oder ein Fehler ist, sondern ein 13 Prozent kleinerer Buchstabe. Warum 13 Prozent? Weil diese Zahl gerade den Gender Paygap in Wallis Heimat Irland ausmacht.  All das (und noch viel mehr), was in diesem Text zur Sprache kommt, findet sich auch in dem wundervollen Cover-Artwork der spanischen Künstlerin Maria Torres. Deshalb beenden wir den Text an dieser Stelle und lenken den Blick auf Marias Bild – denn das eignet sich fast besser, um in Verbindung mit Wallis‘ Musik zu verstehen, was für ein starkes Stück Kunst hier entstanden ist.

Geschrieben von Daniel Koch

 

Fotocredit: Jens Oellermann
Die Eintrittskarte gilt ab 3 Stunden vor Veranstaltungsbeginn bis 5 Uhr des Folgetages als Fahrausweis im GVH (2.Wagenklasse). Nicht übertragbar.